Aktuelles von der Firma Löffler
17.10.2008
260 Jahre Villeroy & Boch Altmarktgalerie Dresden
Villeroy & Boch in Dresden:
Geschichte zum Anfassen und Mitmachen in der Altmarktgalerie
„Eine Zeitreise durch die Geschichte der Keramik – Villeroy & Boch in Dresden “ – Unter diesem Motto ist in der Altmarktgalerie in der Dresdner Innenstadt vom 28. Oktober bis zum 8. November 2008 eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen: Alle, die sich für hochwertige Tischkultur interessieren und sich für Geschichte begeistern, sind herzlich eingeladen, die 260jähre Erfolgsgeschichte des Keramikunternehmens Villeroy & Boch, die in weiten Teilen wesentlich mit der Stadt Dresden verbunden ist, hautnah zu erleben. Bei der offiziellen Eröffnung am 30. Oktober um 11 Uhr wird Nicolas Luc Villeroy, sozusagen als Namensträger des Unternehmens und in seiner Funktion als Leiter des Unternehmensbereichs Tischkultur, persönlich anwesend sein.
Auf mehreren Ausstellungsflächen entlang der Center-Mall sind wertvolle Exponate aus der Dresdner Produktion, die heute dem Keramikmuseum Mettlach gehören, historische Abbildungen der ehemaligen Produktionsstätte Dresden und auch aktuelle Kollektionen zu sehen – eine eindrucksvolle Brücke von Tradition zu Moderne, die das Unternehmen Villeroy & Boch in besonderer Weise charakterisiert.
Eine Aktion für alle Dresdner Bürgerinnen und Bürger
Und mehr noch: Das im ersten Obergeschoss der Altmarktgalerie ansässige Fachgeschäft „The House of Villeroy & Boch“ hat eine Aktion geplant, bei der die Dresdner Bürgerinnen und Bürger gefragt sind. „Wir möchten ein vollständiges Service des Geschirrs „Brombeere“ zusammenstellen“, erläutert Geschäftsführer Andreas Löffler. „Wer noch gut erhaltene Geschirrteile von „Brombeere“ im Schrank hat, kann diese zu uns bringen.“ In vielen Dresdner Haushalten gibt es sicherlich noch Objekte von „Brombeere“. Das Geschirr mit dem charakteristischen Kupferumdruckdekor mit einem Brombeerzweig-Motiv wurde von 1910 bis Ende der 1930er Jahre ausschließlich in Dresden gefertigt. Angelegt in grün oder in der beliebteren Variante grau-blau entwickelte sich die „Brombeere“ zu einem echten Bestseller, ähnlich wie die bekannten Dekore Wildrose oder Alt Luxemburg. Schnell sein lohnt sich: Die ersten 50 „Geschirrsammler“, die Teile von Brombeere in die Altmarktgalerie bringen, bekommen im Gegenzug einen wertvollen Mercuriusteller, der in limitierter Stückzahl speziell für das 260jährige Firmenjubiläum, das Villeroy & Boch in diesem Jahr feiert, gefertigt wurde. Wer möchte kann auch altes Geschirr, ganz gleich von welcher Marke und mit welcher Dekor, im Rahmen der Aktion „Alt gegen Neu“ zu besonderen Spielregln gegen ein aktuelles Villeroy & Boch-Geschirr „eintauschen“.
Eine Expertin in Sachen Keramik
Am Donnertag, den 6. November wird außerdem eine Expertin in Sachen Keramik zu Gast sein. Ester Schneider, die Leiterin des Keramikmuseums in Mettlach, wo mit einem modernen Museumskonzept keramische Schätze aus mehreren Jahrhunderten präsentiert werden, macht Aussagen zu historischen Villeroy & Boch-Keramiken. Wann und ggf. wo wurde ein Teil gefertigt, welche Besonderheiten gibt es hinsichtlich Material, Dekoration oder Glasur? Solche und ähnliche Fragen beantwortet Frau Schneider allen, die ein Geschirr- oder Keramikteil von Villeroy & Boch vorbeibringen. Außerdem erfährt man von ihr viel Interessantes und Wissenswertes über Keramik, das Unternehmen Villeroy & Boch und den Produktionsstandort Dresden.
Ein Stück europäische Industriegeschichte
Heute würde man ihn einen Quereinsteiger nennen: François Boch, ein aus Lothringen stammender Kanonengießer, der sich 1748 entschloss, sein Gewerbe auf friedvollere Ziele umzustellen, und eine kleine Töpferei gründete. Seine drei Söhne knüpften daran an und eröffneten 1767 in Septfontaines in Luxemburg ein Werk, wo sie zu einer Zeit, als Manufakturen noch weitgehend das Bild des europäischen Erwerbslebens bestimmten, eine frühindustrielle Serienproduktion entwickelten.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Begriff des Global Players noch in weiter Ferne lag, war das Unternehmen bereits am Expandieren. Um die östlichen Märkte besser bedienen zu können, sollte neben dem Stammsitz in Mettlach eine neue Fabrik entstehen. Der ideale Standort: Dresden. Ganz in der Nähe gab es vorzüglichen Ton, das Braunkohlerevier der Lausitz war nicht weit, und über die Elbe waren die Produkte bequem nach Hamburg zu transportieren und von dort aus in den Rest der Welt – vor allem nach Skandinavien und in den Ostseeraum. Nachdem Eugen Boch und Alfred Villeroy die Dresdner Bürgerrechte erworben hatten, stand dem Bau des neuen Werkes nichts mehr im Wege. Im Juli 1856 wurde zum ersten Mal ein Ofen beschickt. Hergestellt wurde einfaches Gebrauchsgeschirr. Die Dresdner Erzeugnisse waren für den Absatz in großen Stückzahlen konzipiert, bei unübertroffener Qualität. Man brannte hochwertiges Hartsteingut, für das es in weitem Umfeld keine Konkurrenz gab.
Von Anfang an wurde das Fertigungsprogramm in Dresden erweitert: Hergestellt wurden Kachelöfen, zunächst in schlichtem Weiß, dann, dem Zeitgeschmack gehorchend vor allem in den Farben und Formen des in der Anfangszeit des Kaiserreichs so beliebten Stilsammelsuriums aus Gotik, Renaissance und Barock. Damals renommierte Künstler lieferten die Entwürfe – die Kachelöfen aus Dresden entwickelten sich zu Statussymbolen im bürgerlichen Wohnzimmer. Daneben wurden in Dresden Waschtischgarnituren hergestellt. Diese Sets aus Waschschüssel, Krug, Seifenschale, manchmal Eimer, meistens Nachttopf waren typische Produkte ihrer Zeit: Das Reinlichkeitsbedürfnis war erwacht, es fehlten jedoch die notwendigen Installationen für Frisch- und Abwasser. Erstaunlich ist, dass dieser Hygienebehelf fast ein Jahrhundert lang in Dresden gefertigt wurde – bis zur Demontage des Werkes im Jahr 1945.
Der schönste Milchladen der Welt
Aufgrund der großen Nachfrage wurden in Dresden auch Fliesen hergestellt – kunstvoll und auf höchstem Niveau. Eines der schönsten, aber auch kuriosesten Beispiele für die Hohe Schule der Dresdner Fliesenfertigung ist Pfunds Milchladen in der Dresdner Neustadt: Im Jahr 1879 hatte der Landwirt Paul Pfund eine Idee, die sich bald als äußerst erfolgreich herausstellen sollte: Er versorgte die Stadtmenschen mit frischer, hygienisch einwandfreier Milch. Das Unternehmen wuchs so rapide, dass es 1891 einen repräsentativen Verkaufsladen brauchte. Die Gestaltung übernahm Villeroy & Boch, und zwar mit individuell gefertigten, handgemalten Fliesen. In Pfunds Milchladen schufen die Keramikkünstler von Villeroy & Boch ein einzigartiges Ensemble. Decke und Wände, der Verkaufstresen und sogar der Kühlschrank ergeben ein großes, beschwingtes Gemälde. Heerscharen von Putten präsentieren das gesamte Molkereiwesen von den Kühen auf der Weide bis hin zur Kondensmilch, umrankt von üppigen Ornamenten, durchwebt von allegorischen Darstellungen. Bis heute, insbesondere nach der aufwändigen Restaurierung mit eigens in Mettlach angefertigten Fliesen, ist Pfunds Milchladen der schönste Milchladen der Welt. Als Hommage an dieses Zeugnis der Keramikkunst wurde das Museumscafé im Keramikmuseum von Villeroy & Boch in Mettlach im Stil des Dresdner Milchladens gestaltet.
Wechselvolle Jahre bis zur Enteignung
Das Dresdner Werk wurde ständig erweitert und war um die Jahrhundertwende das größte und modernste im Villeroy & Boch-Verbund. 1885 wurde es eine Zweigniederlassung der Fabrik in Mettlach an der Saar und verlor damit seine Selbständigkeit. Für die Jahre 1925 bis 1936 und 1939 bis 1940 wurde der Sitz der Stammfirma von Mettlach nach Dresden verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk im Jahr 1945 vollständig demontiert, nahm aber bereits ein Jahr später die Produktion wieder auf. 1948 wurde der Betrieb enteignet und firmierte danach unter der Bezeichnung VEB Steingutfabrik Dresden, ab Mitte der 1960er Jahre als VEB Sanitärporzellan Dresden, der später dem Kombinat Fliesen- und Sanitärkeramik Boizenburg unterstand. Bis 1990 wurden hier vor allem Toiletten- und Waschbecken hergestellt.
Modernste Geschirrfertigung in Torgau
Heute ist die Villeroy & Boch AG mit einem der modernsten und innovativsten Werke der Keramikindustrie in Sachsen präsent: 42 Jahre nach der entschädigungslosen Enteignung übernahm das Unternehmen 1990 sein 1926 gegründetes Steingutwerk in Torgau, gut 100 km von Dresden entfernt, wieder. Hier werden großformatige Geschirrteile aus Vitroporzellan hergestellt. Im Jahr 2002 wurden 7 Millionen Euro in eine Neuanlage investiert. Die hochmoderne, online-vernetze Einbrandfertigung für Geschirr ermöglicht es, dass sämtliche gefertigten Teile – im Gegensatz zu früher – nur noch einmal gebrannt werden. Dank der äußerst effizienten Druckguss-Technologie mit integrierten Robotersystemen können die Durchlaufzeiten halbiert werden. Dadurch steigt die Produktivität um 40 Prozent. Die am Produktionsstandort Torgau realisierte Fertigung stellt in der Geschirrindustrie weltweit Benchmark-Niveau dar. Die neue Fertigung stärkt die Wettbewerbskraft von Villeroy & Boch im Geschirrbereich und trägt zur Sicherung des sächsischen Standorts mit rund 85 Arbeitsplätzen bei. Insgesamt sind in Torgau zurzeit 111 Mitarbeiter beschäftigt. Produziert wird vor allem der aktuelle Geschirrbestseller NewWave.
Aber auch der Stadt Dresden selbst ist Villeroy & Boch immer verbunden geblieben. So unterstützte das Unternehmen beispielsweise die Restaurierung der lebensgroßen Keramikfigur Dresdensia, die als Wahrzeichen von Dresden einen leider nicht mehr vorhandenen Keramikbrunnen krönte und heute im Stadtmuseum Dresden zu sehen ist.
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